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Vor dem Kauf eines, rsp. zweier Papageien
Ein paar grundsätzliche Dinge vorweg: Ein Papagei ist kein Papagei. Einzelhaltung von Papageien ist keinesfalls akzeptabel. Weisheiten wie "Papageien lernen nur sprechen, wenn sie alleine sind" oder "Papageien
werden nur zahm wenn sie alleine gehalten werden" sind Ammenmärchen und entsprechen nicht der Wahrheit. Die Wahrheit aber ist, Papageien leiden, wenn sie einsam sind! Papageien sind exotische Wildtiere, die hohe
Ansprüche an Unterbringung, Ernährung und Betreuung stellen. Die Haltung von Papageien ist keinesfalls mit der Haltung von domestizierten Haustieren gleichzusetzen. Papageien müssen auch in Wohnungshaltung täglich ihre
natürlichen Fortbewegungsabläufe ausleben können: Fliegen, Klettern und Laufen. Die Kosten beschränken sich nicht nur auf den Kauf zweier Papageien und einer großzügigen Voliere (Mindestmaße bei mittelgroßen Papageien 2,0
x 1,0 m Grundfläche). Es fallen ständig Kosten für Futter, Spielzeug, etc. und leider oftmals für Tierarztrechnungen an.
Falls du nun also dennoch über den Kauf eines, bzw. zweier Papageien nachdenken solltest, bedenke
bitte Folgendes:
~ Papageien produzieren kontinuierlich Staub, Dreck und nicht zu geringe Schäden an der Wohnungseinrichtung.
~ Papageien sind oft laut. Auch, oder gerade dann, wenn sie sich wohl fühlen.
~ Viele Papageien suchen sich eine
Bezugsperson aus. Es kann durchaus vorkommen, dass alle anderen Familienangehörigen ignoriert oder sogar attackiert werden.
Überdenke also deine eigenen Erwartungen an die Vögel. Auch wenn viele Papageien sehr zahm
und zutraulich sind, so ist dies nicht die Regel. Vor allem sind Papageien keine Schmusetiere. Viele sind zwar als Baby sehr liebesbedürftig, aber das lässt oft während des Erwachsenwerdens nach. Auf keinen Fall sollte
ein Papagei wegen des Sprechens gekauft werden. Lange nicht alle Papageien lernen jemals sprechen.
~ Kriterien wie Zahmheit, Verschmustheit und Sprechen sollten also keinesfalls Gründe für den
Papageienkauf sein!
~ Überdenke, was ist, wenn du für kürzere oder längere Zeit von zu Hause weg bist (Krankenhaus, Urlaub, etc.). Gibt es da jemanden, der die Vögel versorgt, der ihnen täglich
Freiflug ermöglicht, sie betreut?
Wo kaufe ich Papageien?
Da gibt es mehrere Möglichkeiten: Zoofachhandel, Züchter oder aber per Zeitungs-/Internetannonce von privat (Abgabevögel).
Die Unterschiede liegen nicht nur im Preis. Ich würde Unerfahrenen in Sachen Papageien zum (Hobby-)Züchter raten. Oder aber man nimmt sich einen papageienerfahrenen Bekannten mit, wenn man sich ein
Papageienpärchen “aus 2. Hand” anschauen möchte.
Von was dringend abzuraten ist, sind Wildfänge (Vögel die aus ihrer Heimat weggefangen werden und zum allergrößten Teil unter schlimmsten Umständen nach Deutschland importiert werden). Die meisten Papageien, die überhaupt zur "Heimtierhaltung" geeignet sind, werden heutzutage zu genüge in Deutschland nachgezüchtet. Diese deutschen Nachzuchten (DNZ) unterscheiden sich dann nochmals in handaufgezogene Papageien (Handaufzucht = HZ) und naturorientierter Brut (Naturbrut = NB).
Die beiden Aufzuchtsarten unterscheiden sich enorm voneinander. Über diese "Problematik" rate ich dringend anderweitig Informationen einzuholen (z.B. in verschiedenen Vogel-Foren), da dieses Thema hier den Rahmen sprengen würde. Oder aber man schaut sich mal diese Seite genau an. (Auf
der letzten Seite unter “Links” gibts noch eine Stellungnahme der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz e.V. über die Handaufzucht von Papageien.)
Nehme also Kontakt zu mehreren Züchtern und/oder
privaten Verkäufern auf, und schaue dir die Haltungsbedingungen (Sauberkeit, Futter, Aufzuchtsmethode,...?) und die Tiere Vorort an, bzw. beobachte sie eine Weile. Ein gesunder Papagei ist interessiert an seinem Umfeld,
bewegt sich, ist agil. Das Gefieder ist glänzend, glatt und sauber, und liegt am Körper an. Die Nasenlöcher sollten frei sein, die Augen klar. Es sollten keine Atemgeräusche zu hören sein. Vor dem tatsächlichen Kauf kann
auch ein tierärztliches Gesundheitszeugnis verlangt werden; schlimmstenfalls auf eigene Kosten.
Wichtig ist auch entsprechende Papiere vom Züchter (oder Verkäufer) zu erhalten. Fast jeder Papagei benötigt eine
Kennzeichnung (meist Fußring, oder aber Microchip) und ist vom Halter behördlich anzumelden (oft “untere Landschafts- oder Naturschutzbehörde”; je nach Bundesland verschieden).
Versuche am besten
von Anfang an zwei Papageien gleicher Art
zu bekommen (gegengeschlechtlich und blutsfremd, auch wenn nicht gezüchtet werden soll). Denn wenn ein Papagei auch nur kurze Zeit mit dem Menschen alleine lebt, kann es bei der späteren Vergesellschaftung mit dem Vogelpartner zu Problemen kommen (Stichwort: Fehlprägung). Eine Vergesellschaftung/Verpaarung kann dann unter Umständen zu großen Problemen führen, mit denen viele Halter leider auch schon mal überfordert sind, und die Vögel deswegen entweder weiterverkauft werden, oder aber der Verpaarungsversuch frühzeitig abgebrochen wird (was natürlich für beide Vögel auch nicht gerade schön ist).
An was du ebenfalls denken solltest ist, dass Papageien ein enorm hohes Alter erreichen können. Graupapageien können unter entsprechenden Voraussetzungen weit über 50 Jahre alt werden. Bedenke also auch, dass sie dich
eventuell überleben. Wohin dann mit den Tieren?
Ein weiterer sehr wichtiger Punkt, über den man sich vorher im Klaren sein muss, ist der Umgang mit den Papageien, und der Umgang der Papageien mit den Menschen. Da
Papageien monogam veranlagt sind, ist es nicht ungewöhnlich, dass ein Tier seinen Partner “verteidigt” - zur Not auch mit aggressiven Übergriffen. Oder aber das Revier wird verteidigt. Nun könnte manch einer zu dem Schluß
kommen, dass es dann wohl einfacher wäre einen Papageien alleine zu halten. Das jedoch ist ein Trugschluß. Denn auch, oder gerade ein einzeln gehaltener Papagei sucht sich seinen “Partner” - aus der Not heraus auch einen
Menschen! Folglich wird dann auch dieser (menschliche “Partner”) unter Umständen wieder verteidigt. Und das wirkt sich dann oftmals leider noch dramatischer auf die eventuellen Familienangehörigen aus, das heißt
möglicherweise, jeder der sich dem vermeintlichen “Partner” des Papageien nähert wird angegriffen. Auch Kinder!
Als letztes möchte ich noch empfehlen, dass man sich vor der Anschaffung von Papageien einige Fachbücher sucht und sich diese sorgfältig durchliest. Man kann nie gut genug vorbereitet sein - und du ersparst dir und den Tieren vielleicht eine Menge ungeahnter, negativer Überraschungen. Viele Informationen und Antworten auf Fragen können auch in verschiedenen Vogel-Foren gefunden werden (siehe “Links”).
Viel Erfolg zur richtigen Entscheidung.
Nachtrag: In einigen Foren bekommt man derzeit den Eindruck, dass es große Mode wird, dass Züchter vermehrt Papageienbabys an den Mann/die Frau bringen, die noch nicht einmal futterfest
sind, also noch mehrmals täglich mit Aufzuchtsbrei gefüttert werden müssen. Dieser Trend ist wohl weniger im Sinne der Tiere, als im Sinne der Menschen, die sich eben allzugerne einen “superzahmen Kuschelvogel” ins Haus holen möchten. Dies birgt jedoch nicht unerhebliche Gefahren, angefangen vom richtigen Füttern bis hin zu Mangelerscheinungen (z.B. Rachitis), und nicht zuletzt die unnatürlich starke Prägung auf den Menschen, anstatt auf die eigene Art. So eine Prägung auf den Menschen ist nahezu nicht wieder gut zu machen, und kann im Leben des Papageien immer wieder große Probleme bereiten, bspw. bei einer Artgleichen Verpaarung (der Papagei erkennt seine Artgenossen nicht an, da er in seiner Prägephase ja “umgepolt” wurde. Er hat nie gelernt, dass er kein Mensch ist, sondern ein Papagei). Die entsprechenden Züchter werben damit, dass ein so junger Vogel sich viel schneller an den künftigen Halter und an seine neue Umgebung gewöhnt (was ja klar ist, es bleibt einem solchen Baby ja kaum etwas anderes übrig). Leider wird ein solcher Züchter wohl kaum der Objektivität halber auch die Gefahren und negativen Aspekte aufzeigen. Womöglich wird er noch Mitleid erregen wollen, indem er dem Käufer erzählt, dass er dieses Baby den Elterntieren wegnehmen
musste, da sie es nicht genug fütterten, oder Ähnliches. Das ist jedoch kein Grund, das Baby dann zur weiteren Handaufzucht an (oft unerfahrene) Käufer abzugeben. Ich bitte hiermit alle Papageienfreunde von
solchen Käufen (und Züchtern) Abstand zu nehmen. Solche Methoden sollten sich nicht noch weiter ausbreiten können. Das Elend der Papageien ist auch ohne diese Methoden schon schlimm genug. Danke.
P.s.: Unter den “Links” sind ein paar Infoblätter (u.a. zu
obigen Themen) zum Download bereitgestellt.
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